Hervorgehoben

Ringvorlesung in Potsdam im Wintersemester 2018/2019

Was erreicht war, fällt derzeit in sich zusammen oder wird angegriffen – so scheint es zumindest. Harte nationalistische Töne sind aus dem Bundestag vernehmbar. Ein drastischer Rassismus gewinnt auf den Straßen an Raum, mal populistisch verpackt, mal brutal biologisch. Antisemitische Tiraden sind in Popkultur und auf den Schulhöfen zu vernehmen. Wie kommt es, dass Politik und Gesellschaft so sehr ins Autoritäre und nach rechts kippen?

In der Ringvorlesung analysieren wir diese heutigen Zeiten aus verschiedenen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektiven. Wir fragen nach der Rolle von Popkultur im Kontext von Populismus und nach den Auskünften, die Kulturerscheinungen über die Verfasstheit der Gesellschaft geben. Und wir fragen nach Gegenstrategien, legen dabei ein besonderes Augenmerk auf pädagogische Handlungsmöglichkeiten.

Die Ringvorlesung findet abwechselnd im Haus der Natur in der Lindenstraße 34 und im Friedenssaal im Großen Waisenhaus Potsdam in der Breiten Str. 9a (Zugang über die Lindenstraße 34a) in Potsdam statt. Mit einem Buffet und Musik findet die Abschlussveranstaltung der Ringvorlesung im Waschhaus Potsdam in der Schiffbauergasse 6 statt.

Alle Termine auf einem Blick: hier. Der Eintritt ist frei.

Veranstaltet vom Moses Mendelssohn Zentrum und der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam.

Advertisements

Autoritäre Dynamiken – rechtsextreme Einstellungen in Deutschland

Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten in der 5. Ringvorlesung etwa 70 Hörer*innen dem Vortrag von PD. Dr. Oliver Decker über ‚Autoritäre Dynamiken – rechtsextreme Einstellungen in Deutschland‘. Herr Decker präsentierte die jüngsten Ergebnisse der sogenannten ‚Mitte-Studien 2018‘ und erläuterte, warum die Leipziger Forschergruppe heute von der ‚Autoritarismus-Studie‘ spricht.  Dieser theoretische Ansatz des autoritären Charakters wurde in den 1930er Jahren im Frankfurter Institut für Sozialforschung entwickelt und beinhaltet stark verkürzt das Bedürfnis der Unterwerfung und Identifikation unter eine Autorität auf dem Hintergrund eines sich aus unterschiedlichen Quellen speisenden Schwächegefühls. Unterfüttert wird dieser Ansatz durch die jüngsten Ergebnisse der Leipziger Studie, die neben erschreckend hohen Prozentzahlen an Ausländerfeindlichkeit auch chauvinistische Tendenzen und den unverhohlenen Ruf nach einer starken Partei die den vermeintlichen ‚Volkswillen‘ vertrete offenbart. Die Unterschiede zwischen Ost und West sind dabei häufig weniger ausgeprägt als erwartet, was dann auch Diskussionsthema im Anschluss an den Vortrag war.

Die von Oliver Decker vorgestellte Studie ist unter folgendem link nachzulesen:
https://www.boell.de/de/leipziger-autoritarismus-studie

Der Vortrag kann hier nachgehört werden.

Am 19.12.2018 wird die Reihe fortgesetzt mit dem Vortrag Pädagogische Strategien in der Jugendarbeit mit Silke Baer.

Von populären Rockbands bis rechten Lebenswelten

Rechte Lebenswelten in den Texten populärer Rockbands wie beispielsweise Freiwild oder die Bösen Onkelz waren Thema der 4. Ringvorlesung in der Reihe: Populismus. Popkultur. Pädagogik. Michael Weiss von der Agentur für Soziale Perspektiven in Kreuzberg referierte über Recherchen zu rechter Rockmusik seit den 1990er Jahren. Bands und Musiker, die sich früher zu Neonazis zählten, treten heute unter dem Label ‚Oi‘ als ‚unpolitisch‘ auf. Offen menschenfeindliche Texte werden von Festivalveranstaltern ‚übersehen‘ oder geduldet und die Zugpferde der Szene füllen Stadien.

Mit besonderem Interesse wurden vom zahlreichen Publikum die Ausführungen zu den ideologischen Elementen der in den Texten dieser Bands geäußerten Rechten Lebenswelten aufgenommen. Hier wurde deutlich, wie sich diese Szene einerseits als unpolitisch und nicht nazistisch darstellt und andererseits Ungleichheitsideologien vertritt, Hierarchien biologistisch begründet und sich in einer Mischung aus Größenwahn und Opfergestus präsentiert um nur einige Elemente dieser Rechten Lebenswelt zu benennen. In der anschließenden lebhaften Diskussion ging es nicht zuletzt um pädagogische Ansätze in der Auseinandersetzung mit Rechten Lebenswelten. Michael Weiß nannte in diesem Kontext das verquere, weil unverantwortliche Demokratieverständnis der Szene als in seiner Erfahrung bislang bester Ansatz um Anhänger zum Nachdenken zu veranlassen.

Der Vortrag kann wie auch alle vorangegangen hier nachgehört werden.

Am Mittwoch den 5. Dezember freuen wir uns Oliver Decker von den Leipziger Autoritarismus Studien in unserer Ringvorlesungsreihe begrüßen zu dürfen.

Thema: Autoritäre Dynamiken – rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018
Beginn: 18.00, Friedensaal des Großen Waisenhaus zu Potsdam, Lindenstraße 34a

„Haltung zeigen!“

Großer Applaus und eine lange Fragerunde folgte auf die Reflektionen von Dr. Matthias Heyl, dem Leiter der pädagogischen Dienste in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Im Haus der Natur schilderte er vor dem etwa 60-köpfigen Publikum die gegenwärtigen Herausforderungen an Erinnerungskultur und Erinnerungspädagogik. Es gelte, Jugendlichen auf geeignete Art und auf Augenhöhe zu begegnen, dabei auch Position zu beziehen, die Möglichkeiten und die Grenzen der eigenen Arbeit auszuloten. Als Allzweckwaffe gegen Rechtsextremismus könne auch die beste Gedenkstättenpädagogik nicht taugen – die ganze Gesellschaft sei gefordert.

Der Vortrag kann hier als Audiomitschnitt nachgehört werden.

Am Mittwoch, dem 21. November um 18 Uhr wird die Ringvorlesung im Haus der Natur fortgesetzt. Michael Weiss, Mitarbeiter der Berliner Agentur für soziale Perspektiven, betrachtet „Grauzonen und rechte Lebenswelten in der Rockmusik“ und wird dabei insbesondere den „Neuen Deutschrock“ einer kritischen Analyse unterziehen.

Volles Haus, lebhafte Diskussion

 

Großer Andrang: Etwa 120 Besucher_innen füllten bei der zweiten Veranstaltung unserer Ringvorlesung den Reimar Gilsenbach Saal im Haus der Natur in Potsdam. Professor Lars Distelhorst (Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam) referierte zum Verhältnis von Autoritarismus und Rechtspopulismus. Er betrachtete psycho-analytische Erklärungsansätze und beleuchtete die Erklärungskraft des Konzepts des „autoritären Charakters“ der Frankfurter Schule im Kontext gegenwärtiger populistischer und rechtsextremistischer Bewegungen. Die Thesen wurden nach dem Vortrag lebhaft diskutiert.

Der Vortrag kann hier als Audiomitschnitt nachgehört werden.

Am 7. November geht die Ringvorlesung weiter mit dem Vortrag von Dr. Matthias Heyl (Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück) zur „Erinnerungskultur unter Druck von rechts“ zu Möglichkeiten, Herausforderungen und Grenzen der Gedenkstättenpädagogik. Die Veranstaltung findet um 18.00 Uhr im Haus der Natur statt.

Erfolgreicher Auftakt

 

Die gemeinsam vom Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ) und der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam (FHCHP) ausgerichtete Ringvorlesung „Populismus – Popkultur – Pädagogik“ hat am 10. Oktober im Potsdamer Haus der Natur begonnen. Vor etwa 50 Teilnehmenden widmete sich Gideon Botsch (MMZ) den Begrifflichkeiten, die herangezogen werden, um den aktuellen Aufstieg rechter Bewegungen zu beschreiben. Er erörterte die analytischen Vor- und Nachteile von Rechtspopulismus, Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus und schließlich radikalem Nationalismus. Letzterer sei, so Botsch, das einigende Band der sonst heterogenen Bewegungen.

Der Vortrag kann hier als Audiomitschnitt nachgehört werden.

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Ringvorlesung findet am 24. Oktober ab 18 Uhr im Haus der Natur statt. Es referiert Prof. Dr. Lars Distelhorst (FHCHP) zum Verhältnis von Autoritarismus und Rechtspopulismus.