Mit Recht gegen Rassismus?

 

Seit zehn Jahren gibt es im Land Brandenburg eine Antidiskriminierungberatung für Betroffene rassistischer Diskriminierung in Trägerschaft des Vereins Opferperspektive (adb). Ingmar Pech und Gudrun Greve stellten die Arbeit ihrer aufsuchenden, vertraulichen und parteilichen Beratungstätigkeit vor. Ziel der Einzelfallberatung ist die Beendigung eines diskriminierenden Zustands oder Verhaltens, verbunden mit der Anerkennung, dass es sich um Diskriminierung gehandelt hat, was für die Betroffenen wichtig ist. Darüber hinaus soll die Sensibilisierung für Rassismus als gesellschaftliches Machtverhältnis befördert werden, wozu die Dokumentation von Diskriminierungsfällen im Land und eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit beitragen. Greve und Pech schilderten erschütternde Beispiele für Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche und im alltäglichen Leben. Einen beängstigenden Trend sehen sie in ärztlichem Fehlverhalten, das bis zur Verweigerung wichtiger Leistungen und sogar akut notwendiger Behandlungen reichen könne.

Viele Rückfragen beantworteten die Referentinnen – darunter auch nach dem von ihnen erwähnten „Wohnungsführerschein“. Wer mehr über Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt erfahren will, kann sich in einer relativ aktuellen Handreichung der adb informieren. Eine weitere Handreichung sensibilisiert für Diskriminierung in Gruppenunterkünften für Geflüchtete. Infomaterial ist auf mehreren Sprachen erhältlich. Wenn Maßnahmen wie der „Wohnungsführerschein“ vielleicht sogar „gut gemeint“ sind, zeigt sich: Es ist nicht leicht, sich nicht diskriminierend zu verhalten. Gerade in Brandenburg denken allerdings viele Menschen, Rassismus sei ein Randphänomen und durch die Programme gegen Rechtsextremismus („Brandenburger Weg“) eigentlich unter Kontrolle. Greve und Pech halten das für ein „Brandenburger Missverständnis“.

Die Vorlesung kann hier nachgehört werden.

Die nächste Ringvorlesung findet am 06. März 2019 im Haus der Natur (Lindenstraße 34, 14467 Potsdam) statt. Es referiert Prof. Dr. Paul Mecheril zu „Der Kampf um gesellschaftliche Ordnung und die Pädagogik. Rassismuskritische Erkundungen“.