Rassismuskritische Erkundungen

Am 6. März sprach Prof. Dr. Paul Mecheril zum Thema „ Der Kampf um gesellschaftliche Ordnung und die Pädagogik – Rassismuskritische Erkundungen“. Mecheril konnte in seinem Vortrag deutlich machen, dass Rassismus als Praktik des Otherings und Selfings mit Rückgriff auf Bedrohungsinzenierungen Bestandteil gesellschaftlicher Praktiken ist, die der Sicherung von materiellen und symbolischen Ansprüchen dient. Der aktuelle Rassismus ist der Versuch, die in die Krise geratene Vorherrschaft zu stärken.

Der Vortrag kann in Kürze hier nachgehört werden.

Die nächste Veranstaltung der Ringvorlesung wird die Abschlussveranstaltung sein. Sie findet am Freitag, den 22. März 2019, im Waschhaus Potsdam (Schiffbauergasse 6, 14467 Potsdam) statt. Es referieren Murat Güngör und Hannes Loh zu dem Thema Vom Gastarbeiter zum Gangsta-Rapper? HipHop, Migration und Empowerment.

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Mit Recht gegen Rassismus?

 

Seit zehn Jahren gibt es im Land Brandenburg eine Antidiskriminierungberatung für Betroffene rassistischer Diskriminierung in Trägerschaft des Vereins Opferperspektive (adb). Ingmar Pech und Gudrun Greve stellten die Arbeit ihrer aufsuchenden, vertraulichen und parteilichen Beratungstätigkeit vor. Ziel der Einzelfallberatung ist die Beendigung eines diskriminierenden Zustands oder Verhaltens, verbunden mit der Anerkennung, dass es sich um Diskriminierung gehandelt hat, was für die Betroffenen wichtig ist. Darüber hinaus soll die Sensibilisierung für Rassismus als gesellschaftliches Machtverhältnis befördert werden, wozu die Dokumentation von Diskriminierungsfällen im Land und eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit beitragen. Greve und Pech schilderten erschütternde Beispiele für Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche und im alltäglichen Leben. Einen beängstigenden Trend sehen sie in ärztlichem Fehlverhalten, das bis zur Verweigerung wichtiger Leistungen und sogar akut notwendiger Behandlungen reichen könne.

Viele Rückfragen beantworteten die Referentinnen – darunter auch nach dem von ihnen erwähnten „Wohnungsführerschein“. Wer mehr über Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt erfahren will, kann sich in einer relativ aktuellen Handreichung der adb informieren. Eine weitere Handreichung sensibilisiert für Diskriminierung in Gruppenunterkünften für Geflüchtete. Infomaterial ist auf mehreren Sprachen erhältlich. Wenn Maßnahmen wie der „Wohnungsführerschein“ vielleicht sogar „gut gemeint“ sind, zeigt sich: Es ist nicht leicht, sich nicht diskriminierend zu verhalten. Gerade in Brandenburg denken allerdings viele Menschen, Rassismus sei ein Randphänomen und durch die Programme gegen Rechtsextremismus („Brandenburger Weg“) eigentlich unter Kontrolle. Greve und Pech halten das für ein „Brandenburger Missverständnis“.

Die Vorlesung kann hier nachgehört werden.

Die nächste Ringvorlesung findet am 06. März 2019 im Haus der Natur (Lindenstraße 34, 14467 Potsdam) statt. Es referiert Prof. Dr. Paul Mecheril zu „Der Kampf um gesellschaftliche Ordnung und die Pädagogik. Rassismuskritische Erkundungen“.

Eine Herausforderung für die Lehre

 

In der neunten Ringvorlesung am 6. Februar 2019 referierte Prof. Dr. Heike Radvan von der Technisch-Brandenburgischen Universität Cottbus über die Herausforderungen vor denen Hochschulen stehen, die mit aktiven Bestrebungen rechtsextremistischer Personen, sich für pädagogische Berufe akademisch zu qualifizieren konfrontiert sind.

Zunächst stellte sie den niedrigen Forschungsstand und eine zu geringe öffentliche Debatte zu diesem Thema dar. Als Professorin für Soziale Arbeit, die sich als Menschrechtsprofession definiert, stellte sie den notwendigen Schutz dieser Menschenrechte gegenüber gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in den Mittelpunkt ihres Vortrages. Diese Perspektive konfligiert im Einzelfall mit dem Recht auf Bildung, das zunächst ‚Gesinnungsprüfungen’ im Kontext hochschulischer Qualifikationen ausschließt. In ihrem detailreichen und engagierten Vortrag hat Frau Radvan schließlich einen zehn Punkte Katalog an konkreten Vorschlägen für Hochschulen entwickelt, wie ein demokratisches Selbstverständnis von Wissenschaft und ein Sozialpädagogikstudium gegen autoritäre und Menschenrechte missachtende Vertreter*innen im Lehrkörper oder unter Studierenden zu verteidigen ist. Auch die Debatte drehte sich um den nur im Einzelfall zu entscheidenden Konflikt zwischen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und dem Recht auf Bildung.

Die Vorlesung kann hier nachgehört werden.

Die nächste Ringvorlesung findet am 20. Februar 2019 im Friedenssaal der Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam (Breite Str. 9a) statt. Es referieren Gudrun Greve und Ingmar Pech von der Antidiskriminierungsberatung Brandenburg zu „Mit Recht gegen Rassismus!? Antidiskriminierungsarbeit in der Praxis“.

Hassgesang aus Brandenburg

 

Mehrere dutzend Bands, bundesweit wichtige Szeneinstitutionen, eine über Jahrzehnte gewachsene Kultur: Rechtsrock-Forscher Jan Raabe referierte bei seinem Vortrag im Friedenssaal des Großen Waisenhauses über den Rechtsrock in Brandenburg, also die Musik des militanten Neonazismus. Fundiert ordnete der Bielefelder Sozialpädagoge das Phänomen geschichtlich, politisch-inhaltlich und von seinen Funktionen und Wirkungsweisen her ein. Auf den Vortrag folgte eine angeregte Diskussion mit dem rund 30-köpfigen Publikum.

Der Vortrag kann hier als Audiomitschnitt nachgehört werden.

Am Mittwoch, dem 6. Februar um 18 Uhr wird die Ringvorlesung im Friedenssaal des Großen Waisenhauses fortgesetzt. Die Herausforderungen durch den neuen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in der schulischen und akademischen Lehre wird Prof. Heike Radvan von der BTU Cottbus diskutieren.

In den Tiefenschichten der Gesellschaft

 

Antisemitismus ist in allen Sozialräumen zu finden, er wurzelt tief in der deutschen Gesellschaft. Marina Chernivsky, Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment in der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, betrachtete vor interessiertem Publikum die Erscheinungsformen des Antisemitismus an Schulen. Sie berichtete aus der Beratungspraxis – ratsuchend wenden sich Schulen aller Typen an ihre Institution; die Vorfälle betreffen sowohl Lernende als auch Lehrende, ziehen sich quer durch alle Milieus. Chernivsky betonte, wie wichtig es sei, sich an die Seite der Betroffenen zu stellen. Kontrovers diskutierte sie zudem vor rund 30-köpfigem Publikum die Wirkpotenziale von aufklärender Geschichtsvermittlung in der Präventionsarbeit.

Der Vortrag kann hier als Audiomitschnitt nachgehört werden.

Am Mittwoch, dem 23. Januar referiert der Rechtsrock-Experte Jan Raabe ab 18 Uhr im Friedenssaal des Großen Waisenhauses im Rahmen der Ringvorlesung über die Musik des militanten Neonazismus.